Heimat Feldkirch, Feldkirch, Gerhard Wanner
Mein Lieblingsplatz ist das Palais Liechtenstein+ Gerhard Wanner bekommt Ehrenprofessor-Titel in Pécs verliehen.Feldkirch (BK) Gerhard Wanner begann in den 70er Jahren seine Unterrichtstätigkeiten in Feldkirch, später in Innsbruck, an der Pädak, in Ekaterinenburg bis nach Pécs. Er erlebte nicht nur die „Wende“ vom Kommunismus, sondern vieles andere, besonders auch in Feldkirch.

Gerhard Wanner vor der Verleihung der "Ehrenprofessur" im Festsaal der Juridischen Fakultät der Universität Pécs. (Foto: Privat)
VN-Heimat: Vergangene Woche erhielten Sie von der Universität in Pécs/Ungarn den Titel „Ehrenprofessor“ verliehen. Wie kam es dazu?
Gerhard Wanner: Im Rahmen des Europäischen Dozentenaustausches und als Professor der Pädagogischen Hochschule in Feldkirch kam ich im Jahr 1999 zum ersten Mal an die Universität Pécs in Südungarn. Sie ist die älteste des Landes aus dem 14. Jahrhundert. Daraus entwickelte sich über Jahre ein lebhafter Studenten- und Dozentenaustausch mit Feldkirch. Meine Haupttätigkeit erfolgte an den Instituten für Geschichte und Germanstik, wo ich vor allem Österreichische Kulturgeschichte, Politologie und Geschichtsdidaktik unterrichtete. Meine sommerliche Vorliebe zum Balaton und zu „ungarischen Menschen“ war natürlich auch an der Pécser Universität bekannt.

VN-Heimat: Sie unterrichten seit vielen Jahren an mehreren Institutionen. Welche Erfahrungen durften Sie in Ihrer Lehrertätigkeit sammeln?
Gerhard Wanner: Meine zehnjährige Lehrtätigkeit an der „Staatlichen Gorki-Universität“ im westsibirischen Ekaterinburg (Swerdlowsk) bis 2001 gehört zum spannendsten Abschnitt meines Lebens. Damals erfuhr ich hautnah den Übergang vom Sowjetkommunismus zum neuen Russland unter Jelcin und war einer der ersten „Westler“ in der bis dahin „verbotenen“ Rüstungsstadt. Heute unterrichte ich auch an der Vorarlberger Fachhochschule in Dornbirn und an der Bildungsakademie der Bundespolizei und kann mich nur freuen über das große Interesse für Geschichte und Politik der Hörer und Hörerinnen. Im Allgemeinen besteht ein großer Mangel an Kenntnissen über die Zeitgeschichte, auch unseres Landes Vorarlberg.
VN-Heimat: Wie denken Sie persönlich über die geplante Lehrzeiterhöhung der Bundesministerin?
Gerhard Wanner: Bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Gehälter wären meine schon bislang hoch motivierten Kollegen und Kolleginnen sicherlich bereit, ihre Unterrichtstätigkeit auszuweiten, die immer höhere Anforderungen stellt. Ich werde nie vergessen, dass mein Gehalt als junger Professor in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts nicht ausreichte, um mich und meine Familie am Leben zu erhalten.
VN-Heimat: Ihr Lebenslauf liest sich wie ein Geschichtebuch. Sie sind Mitbegründer und heutiger Geschäftsführer der Rheticus-Gesellschaft und damit auch Herausgeber einer wissenschaftlichen Reihe. Was fasziniert Sie persönlich an dieser Aufgabe?
Gerhard Wanner: Obwohl ich überzeugter und begeisterter Europäer bin, fühle ich mich meiner Heimat Vorarlberg sehr verbunden. Vorarlberger Landeskunde unter der Bevölkerung zu verbreiten und in der Forschung Tätigen eine Publikationsmöglichkeit zu bieten, ist mir ein großes Anliegen, es ist auch ein Akt von Dankbarkeit für meine Heimat. Ich denke, dass es ohne Kenntnis der Geschichte nicht möglich ist, sich selbst und seine kollektive Umwelt zu verstehen, um korrigierend im Sinne von Humanismus und Aufklärung zum Positiven einzugreifen.
VN: Was waren für Sie die bewegendsten Ereignisse in Feldkirch? Haben Sie einen Lieblingsplatz in der Stadt?
Gerhard Waner: In „frischer“ Erinnerungen ist mir immer noch der Einmarsch der französischen Befreier 1945 in Feldkirch und das für mich unverständliche Verbot, ein Lied nicht mehr singen zu dürfen: „SS marschiert ins Feindesland und singt ein frohes Lied...“ Dann danke ich einem Arzt des Landeskrankenhauses in Feldkirch, der mir vor zwei Jahren wieder das Leben geschenkt hat. Mein Lieblingsplatz ist das Palais Liechtenstein, wo ich seit Jahren meine kulturellen Tätigkeiten ausführen kann und natürlich mein Haus auf Bazora (Frastanz), von wo aus mir Feldkirch „zu Füßen liegt“. Nur so nebenbei, die freilich noch unbewiesene Urheimat meiner geliebten Griechen befindet sich zwischen Gurtis und dem Saminatal.
Zur Person:
Gerhard Wanner
Geboren 1939 in Feldkirch
Wohnhaft in Gurtis/Frastanz
Unterrichtet bis heute an der FH Vorarlberg und an der Polizeischule FK
Über 200 Publikationen über regionale und überregionale Zeitgeschichte
Internationale Vortragstätigkeit
VN-Mehrwissen: Curriculum Vitae von Gerhard Wanner mit den wichtigsten Lebensabschnitten zum Download.
BU1: Gerhard Wanner nach der Übergabe der Ehrenprofessur mit seinem Kollegen Univ.-Prof. Dr. Zoltan Szendi, Leiter des Instituts für Germanistik, wo Wanner seine Haupttätigkeit ausübt. (Foto: Privat)
BU2:
BU3: Wanner mit Vorarlberger und österreichischem Orden (siehe Lebenslauf) und Urkunde zur Verleihung der Ehrenprofessur der Universität Pécs. (Foto: Privat)
BU4: Gerhard Wanner in seinem Element – unterrichten. (Foto: Privat)